Duo aus Stampflehm und Holz
Gässli 5 in Grabs von Allen + Crippa
Der Neubau aus Stampflehm schließt über Eck an den historischen Strickbau an. © Rory Gardiner
Der Abriss droht
Über 350 Jahre stand der historische Strickbau in Grabs, einem Dorf im Kanton St. Gallen, im Gässli 5. Seit 1968 war das Bauernhaus unbewohnt und verfiel zusehends. Schließlich wurde es, trotz seines authentischen Charakters, aus dem Denkmalschutz entlassen und sollte abgerissen werden.


Das Gässli an seinem neuen Standort. Die Vertäfelung war brüchig und musste großflächig ersetzt werden. © Rory Gardiner
Rettung!
Den Menschen im Dorf lag das Gässli, wie das Haus kurz genannt wurde, am Herzen. Um es zu retten, kaufte es eine zehnköpfige Projektgruppe für einen symbolischen Franken. Mitglied der Gruppe waren auch die damaligen Architekturstudenten Ronan Crippa und Timothy Allen. Zusammen mit Handwerksleuten aus dem Dorf versetzten sie das Gässli auf ein 700 m entferntes Grundstück, wo die Frau eines Mitglieds einen Dorfgarten betreibt. „Beim Wiederaufbau war es uns wichtig nichts hinzuzufügen, was die Struktur verändert und die Atmosphäre zerstört hätte“, erklärt Crippa. So verzichteten die Architekten auf technische Eingriffe wie Dämmung, Wasser- oder Elektroinstallation.


Das Dach des Neubaus ist vollflächig mit Solarpaneelen belegt. © Rory Gardiner


Die Muldenziegel des Gässli sind wiedervewendet. © Rory Gardiner
Schichten und stapeln
Für eine zeitgemäße Nutzung mit Küche, Toiletten und beheiztem Studio ergänzen sie das Gässli um einen Neubau aus vorgefertigten Stampflehmelementen. Allen + Crippa setzten ihn über Eck an die Nordfassade des historischen Strickbaus. Er besteht aus etwa 200 Lehmelemente, bis zu 85 cm stark, die eine Firma aus Vorarlberg herstellte. Schwer und massiv steht der Neubau neben dem filigranen Gefüge des Strickbaus. Die sichtbaren Schichten des Stampflehms aber greifen die Stapelstruktur der historischen Blockwände auf und schaffen einen Dialog zwischen Alt und Neu. Versätze in der Fassade betonen das Gewicht des Materials. Stürze und Ringanker aus Stahlbeton stabilisieren die Stampflehmfassade. Das Dach ist vollflächig mit Solarpaneelen belegt, gefasst von Natursteinplatten and Traufe und Ortgang.


Helle, Natürliche Materialien prägen das Innere des Neubaus. © Rory Gardiner


© Rory Gardiner
Natürlich und zirkulär
Auch im Inneren setzten die Architekten auf natürliche, kreislauffähige Materialien. Decken aus unverleimten Holzbalken, Dämmung aus Hanfkalk, Kalkputz aus rezykliertem Ziegelmehl und lokale Tonplatten sowie Stampflehm als Bodenbelag prägen die Räume. Im Erdgeschoss befindet sich der Gemeinschaftsraum mit Küche, im Obergeschoss ein Yogastudio mit kleinem Bad.


Der traditionelle Ofen im Strickbau wurde neu errichtet. Er heizt Stube und Nebenstube. Die Räume sind nur 1,80 m hoch. © Rory Gardiner
Übernachten?
Der Gartenverein legte rund um den Neubau einen Permakulturgarten mit essbaren Pflanzen, Teichen und Trockenbereichen an. Vor dem Blockbau entstand ein traditioneller Bauerngarten. Gäste, die das Leben vor 200 Jahren nachempfinden möchten, können im Gässli übernachten und die Annehmlichkeiten im neuen Stampflehmhaus mitnutzen.
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Architektur: Allen + Crippa Architektur
Bauherr: privat
Standort: Grabs (CH)
Tragwerksplanung: merz kley partner
Landschaftsarchitektur: Isabelle Saluz
Fachplanung und Ausführung Lehmbau: Lehm Ton Erde



























