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Gewinner des Sonderpreis DETAIL structure: Chilenischer Pavillon der EXPO 2015 in Mailand

Zwei Jahre nach der Expo hat das Bauwerk in Temuco in Südchile seine neue Bestimmung als Kulturzentrum gefunden. Die Wiederverwendung des Pavillons war von Anfang an geplant. Die Architekten haben ihn als leicht zerlegbare und transportable »Box« aus Monterey-Kiefer entworfen. Das schwebende Volumen umfasst knapp 2000 m2 Fläche. Es besteht aus einem dreigeschossigen Raumfachwerk aus Holz auf sechs umgedrehten Dreibeinen aus Stahl und benötigt nur ein Minimum an Fundamenten. Die Leimholzkonstruktion prägt das Gebäude nicht nur außen, sondern durch den Verzicht auf Verkleidungen auch im Inneren. Strukturelle Logik paart sich mit Eleganz, weil Stahlbauteile minimiert oder den Blicken entzogen wurden. Die Überdimensionierung der Holzbauteile ist, so die Jury, auch ein ­politisches Statement. Chile gibt sich damit »nicht nur als führender Holzproduzent zu erkennen, sondern zelebriert auch seine Kompetenz in der Holzverarbeitung und der Planung von Holztragwerken.«

Zweites Leben in Südchile
Es dauerte rund sieben Monate, bis der Pavillon in Mailand geräumt und abgebaut war. Lediglich Rohre, Elek­trokabel, Trennwände und Oberflächenmaterialien wie Fliesen wurden entsorgt. Insgesamt 40 Container wurden in jeweils 45 Tagen im Zeitraum November 2015 bis Juni 2016 von Genua aus ins chilenische San ­Antonio verschifft. Der Wiederaufbau war ursprünglich auf acht Monate geschätzt, am Ende verging ein knappes Jahr. Als größte Herausforderung ­bezeichnen die Planer im Nachhinein die Verarbeitung des Holzes, dessen Maße sich teils unter dem Einfluss der Luftfeuchtigkeit verändert hatten.

Derzeit wird der Pavillon ähnlich genutzt wie in Mailand. Einige bauliche Anpassungen sind dem Klima geschuldet. Die Lobby im ersten Stock erhielt eine Glasfassade, damit die Besucher den Raum mit Restaurant und Shop ganzjährig genießen können. Das ­ursprüngliche Dach des Gebäudes befindet sich auf einer Höhe von 12 m. Neu ist die Abdeckung in 15 m Höhe, die das gesamte obere Geschoss überspannt. Holzbalken und transparente Polycarbonatplatten wurden ­unauffällig in die vorhandene Struktur integriert. Dieses »zweite Dach« schützt Gebäude und Tragwerk vor dem horizontalen Regen, der für die Region typisch ist.

Die wichtigste Anpassung betrifft den Erdbebenschutz, der zusammen mit dem Büro Sirve Engineering an die chilenischen Anforderungen angepasst wurde, indem Schwingungsdämpfer auf Fundamentebene eingebaut wurden, ohne das Holztragwerk zu verändern.   

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