Recycling

Cradle to Cradle: Eine Idee und ihre Umsetzung

Wenige Nachhaltigkeitskonzepte haben in der Industrie zuletzt so von sich reden gemacht wie „Cradle to Cradle“. Was genau meint dieses Konzept, das der Chemiker Michael Braungart und der Architekt William McDonough vor sieben Jahren erstmals formulierten, und vor allem: Wie lässt es sich in die Praxis umsetzen?


„Wenn ein System zerstörerisch ist, sollte man nicht den Versuch machen, es effizienter zu gestalten. Stattdessen sollte man Möglichkeiten finden, es vollständig umzukrempeln, so dass es effektiv wird“, beschreibt Michael Braungart, einer der „Väter“ des Cradle-to-Cradle-Konzepts, dessen Grundgedanken. Bisherige Nachhaltigkeitskonzepte zielten vor allem auf einen sparsameren Ressourcenverbrauch ab: weniger Wasser, weniger Energie, weniger mineralische Rohstoffe. Dennoch mussten auch in diesem Konzepten Produkte irgendwann entsorgt werden; der Lebenszyklus eines Gegenstandes oder Gebäudes führte also immer von der Wiege zur Bahre.

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2002 präsentierten Michael Braungart und William McDonough den „Cradle-to-Cradle“-Konzept erstmals in dem gleichnamigen Buch einer breiten Öffentlichkeit.

Dagegen will Cradle to Cradle – deutsch: „von der Wiege zur Wiege“ – die gesamte Industrieproduktion so umstrukturieren, dass geschlossene Materialkreisläufe entstehen. „Das System besteht nicht darin, den Materialstrom ‚von der Wiege zur Bahre’ zu verringern oder zu verzögern, sondern darin, zyklische ‚Metabolismen’ (Stoffwechselkreisläufe) zu erzeugen, die eine naturnahe Produktionsweise ermöglichen und Materialien immer wieder neu nutzen“, so Braungart. Kürzer noch lässt sich das Konzept Cradle to Cradle in eine einfache Gleichung fassen: Abfall = Nahrung.

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Der blühende Kirschbaum ist für Michael Braungart Symbol der Materialverschwendung ohne Umweltschäden und schlechtes Gewissen.
Foto: Maja Dumat/pixelio


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Detail, 10.02.2012