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Architektur | Themen

Die erste bewegliche Forschungsstation der Welt

Hundert Jahre nach Robert Falcon Scotts Expeditionen in die Antarktis beweist Großbritannien mit der ultramodernen Forschungseinrichtung Halley VI seinen Ehrgeiz, in Sachen Spitzenforschung weiterhin in der ersten Reihe zu stehen. 

Mobile Forschungsstation "Halley VI" in der Antarktis

Foto: Antony Dubber

Die Antarktis-Forschungsstation Halley VI wurde von Hugh Broughton Architects in Zusammenarbeit mit AECOM für das britische Polarforschungsinstitut British Antarctic Survey (BAS) entworfen und vom britischen Bauunternehmen Galliford Try errichtet. Das Projekt zeichnet sich durch eine innovative Architektur aus, bei der ein überzeugendes Konzept mit penibler Detailtreue und beispielhafter Koordination umgesetzt wurde. Die Grenzen, die der Architektur in dieser lebensfeindlichen Umgebung bislang gesetzt waren, wurden verschoben und ein Zeichen gesetzt für nachhaltiges Leben in den Polarregionen, um das Augenmerk auf eine der bedeutendsten Wissenschaften zu lenken, die auf unserem Planeten vorangetrieben wird.

Mobile Forschungsstation "Halley VI" in der Antarktis

Forschungsmodule

Mobile Forschungsstation "Halley VI" in der Antarktis

Foto: Sam Burrell

Halley VI ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen und intensiven achtjährigen Zusammenarbeit mit der BAS, an deren Anfang ein preisgekrönter Entwurf aus einem internationalen Architektenwettbewerb für ein modulartiges Labor stand. Die modularen Einzelkörper sind über kurze Korridore aneinander gekoppelt und werden durch hydraulische Beine immer über Schneeniveau gehalten. Außerdem sind die Beine auf überdimensionale Skier montiert, so dass schnell auf Risse oder Veränderungen des Eises reagiert werden kann: Die Module werden entkoppelt und einzeln zu einem neuen Standort gezogen. Die erwartete Nutzungsdauer der neuen Station steigt damit deutlich.

Mobile Forschungsstation "Halley VI" in der Antarktis

Foto: Karl Tuplin

Mobile Forschungsstation "Halley VI" in der Antarktis

Die 30 Mio. Euro teure Einrichtung besteht aus sieben miteinander verbundenen blauen Modulen mit Schlafgelegenheiten, Laboratorien, Büros und Energieversorgungsanlagen. Ein zentrales, zweistöckiges, rotes Modul verfügt über lichtdurchflutete Aufenthaltsräume mit doppelter Raumhöhe. Bei der Innenraumplanung wurde speziell berücksichtigt, dass die Zahl der Mitarbeiter in der Forschungsstation zwischen 52 im Sommer und 16 im Winter schwankt, wenn drei Monate lang absolute Dunkelheit herrscht und die Außentemperatur auf bis zu minus 56 °C fallen kann.

Mobile Forschungsstation "Halley VI" in der Antarktis

Im roten Gemeinschaftsmodul wird das Team der Forschungsstation zukünftig essen, lesen, sich besprechen oder weiteren Freizeitaktivitäten nachgehen. Der hohe Nutzerkomfort im Innenraum entsteht vor allem durch weiches Tageslicht, das eine großflächige Verglasung aus Isolierglasscheiben gleichmäßig in die Aufenthaltsbereiche streut. Der transluzente Dämmstoff eignet sich für die Extrembedingunen in der antarktischen Halley Bay: Das nanoporöse Aerogel ist leicht, hochwärmedämmend, schallisolierend und lichtdurchlässig. Das Spezialglas (Produkt: OKAGEL) weist hervorragende Ug-Werte auf, die – im Gegensatz zu konventionell mit Luft oder Gas gefüllten Isoliergläsern – unabhängig vom Einbauwinkel sind. Beispielsweise hat eine Zweifachverglasung mit 60 mm Aerogel im Scheibenzwischenraum einen Ug-Wert von unter 0,3 W/(m²K).

Mobile Forschungsstation "Halley VI" in der Antarktis

Foto: Sam Burrel

Mobile Forschungsstation "Halley VI" in der Antarktis

Foto: Sam Burrel

Die neue Forschungsstation ersetzt die 20 Jahre alte Station Halley V und ist die sechste Einrichtung, die auf dem Brunt-Schelfeis gebaut wurde, eine Region, die sich als wichtiges natürliches Labor für die Erforschung des Magnetfelds der Erde und der oberen Erdatmosphäre etabliert hat. Forschungsergebnisse aus der Halley-Basis führten beispielsweise 1985 zu der Entdeckung des Ozonlochs durch die BAS.

David Willetts, der britische Staatsminister für Hochschulen und Wissenschaft, sagte anlässlich der Eröffnungsfeier für die neue Forschungsstation in London: „Die neue Halley-Station ist ein Triumph für britisches Design, Innovation und Ingenieurskunst. Die britische Polarforschergemeinschaft, die auf Weltklasseniveau tätig ist, verfügt nun über einzigartige, topmoderne Laborräume im ewigen Eis. Das Erbe von Robert Falcon Scott und unsere beachtliche Erfolgsgeschichte von wissenschaftlichen Entdeckungen in der Antarktis werden nun in dieser herausragenden neuen Einrichtung fortgeführt.“

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