You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Partizipative Architektur: neue Planungsmethoden mit Bürgerbeteiligung

„Eine Gesellschaft von in zunehmendem Maße emanzipierten Menschen beansprucht immer stärker auch die Teilhabe an der Gestaltung ihrer gebauten Umwelt“, erläutert Hofmann den vermehrten Wunsch an Partizipation im Entwurfsprozess. Im Gegenzug wird die Rolle des Architekten zunehmend infrage gestellt. Doch was bedeutet diese Entwicklung für Städtebau und Architektur? Welche Kosequenzen für das Berufsverständnis des Architekten sind zu erwarten? Planer können die Entwicklung nicht länger ignorieren, ohne sich dem Vorwurf der Arroganz auszusetzen und ihre Daseinsberechtigung zu gefährden. Vielmehr ist die Frage, ob und wie sie sich bei einem Mitwirkungsprozess im Entwurf gegenüber Bauherren und Nutzern öffnen, existenziell geworden.

Bereits seit den 1970er-Jahren beschäftigen sich Architekten mehr oder minder erfolgreich mit dem Thema der Partizipation. „Vision, Avantgarde und Nutzerbeteiligung gehen nicht zusammen“, beschreibt Hofmann die von vielen Architekten als störend empfundene Integration der Nutzer. Auch die Begeisterung von Bauämtern und andere Planungsbeteiligten ist angesichts der Angst vor Projektverzögerungen häufig nicht besonders groß. Dabei kann eine gut geplante Partizipation der zukünftigen Nutzer am architektonischen Entwurf nicht nur die Architektur bereichern, sondern zugleich dem Projekt zu einer höheren Akzeptanz in der Gesellschaft verhelfen. Architekten können auf diese Weise sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltig bauen. Die Bürgerbeteiligung ermöglicht auf der einen Seite eine bedarfsgerechte und nutzeroptimierte Planung und schafft zugleich eine stärkere Identifikation der Nutzer mit ihrem Projekt.

Ein wesentlicher Baustein für das Gelingen der Partizipation ist die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Beteiligten. Neben Planern, Bauherrn und Nutzern sind auch Kommunen oder Behörden in den Planungsprozess einzubeziehen. Hofmann entwickelt daher parallel zu den Leistungsphasen Zeitschienen mit Partizipations- und Rückkopplungsterminen. Zusätzlich zu der zeitlichen Integration ist auch eminent, wie die Kommunikation über Architektur zwischen Experten und Fachfremden unterschiedlichster Bildungs- und Alterstufen gestaltet wird. „Weder mit Kindern noch mit vielen erwachsenen Architekturlaien können wir mit Grundrissen oder Schnitten kommunizieren, deshalb müssen wir eine gemeinsame Gesprächs- oder Verhandlungsgrundlage schaffen“, erläutert Hofmann die Schwierigkeit vor der viele Architekten bei der Nutzerbeteiligung stehen. Mittels Planspielen, gemeinsamer Workshops, Modellen aber auch Rollenwechseln lassen sich, wie Hofmanns Projekte zeigen, ganz unterschiedliche Personengruppen und ihre Wünsche in den Planungsprozess integrieren.

Kurze Werbepause

So schlüpften beim Projekt des Studentenwohnens Siegmunds Hof die Baupiloten-Studierenden für ein Wochenende in die Rolle des Nutzers und testeten Berliner Studentenunterkünfte. In einem Wohntagebuch hielten sie anschließend deren Stärken und Schwächen fest. In der Wolfsburger Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule wurde hingegen mit einer Baufamilie aus Schülern, Eltern, Pädagogen und Bauherren gemeinsam ein Nutzungskonzept mittels Collagen, Modellen und Verhandlungsspielen erarbeitet. Für Hofmann steht fest: „das gegenseitige Wissen um die atmosphärische Raumwirkung ist ein Schlüssel für die Kommunikation zwischen Architekten und Laien. Atmosphäre wird hergestellt, Geschichten, Modelle, Collagen, Klebebilder, Zeichnungen, das sind unsere Kommunikationsebenen, um gemeinsam mit dem Feedback der Nutzer eine bedarfsgerechte Architektur situativ zu entwickeln.“

Vortrag im Rahmen des DETAIL research Forums "Building the Future" zur Messe BAU 2015 am Thementag "Netzwerk Bauen/ Open Source Architecture".

 

Zur Person
Prof. Dr.-Ing. Susanne Hofmann, Architektin BDA, studierte Architektur an der TU sowie an der Akademie der Künste in München und an der AA in London. Sie arbeitete in verschiedenen Architekturbüros in London und Berlin, unter anderen bei Alsop & Lyall Architects und Sauerbruch Hutton Architekten. In der Lehre ist Susanne Hofmann seit 1996 tätig, unter anderem in London, Melbourne, Auckland, Kairo, Hamburg und Berlin. An der TU Berlin vertritt sie seit 2009 die Professur für partizipatives Entwerfen und Konstruieren, Wohnungsbau und Kulturbauten. 2001 gründete sie ihr eigenes Büro. 2003 initiierte sie an der TU Berlin das Studienprojekt „Die Baupiloten“, das sie seit 2014 als unabhängiges Büro mit Fokus auf partizipativ entwickelte Bildungs- und Wohnbauten führt. Susanne Hofmann lebt als Architektin, Lehrkraft und Autorin in Berlin.

Aktuelles Heft
DETAIL 11/2018
DETAIL 11/2018, Licht und Raum

Licht und Raum

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.